Hersteller halten Reparaturanleitungen unter Verschluss

Technology Review: Konsumankurbelung bei Elektrogeräten

Pressemeldung der Firma Heise Medien Gruppe GmbH & Co KG

Um Kunden zum Neukauf zu drän­gen, verkürzen Hersteller von Elektrogeräten nicht nur die Produktzyklen, sondern erschweren zugleich die Reparatur. Sie halten die dafür nötigen Anleitungen unter Verschluss, damit Nutzer auf teure Service-Center ange­wiesen sind. Diesen Vorwurf erhebt Kyle Wiens, Gründer der äußerst an­gesehenen Reparatur-Community iFixit, in einem Gast­beitrag für die April-Ausgabe des Magazins Technology Review.

Der Flachbildfernseher bleibt dunkel, die Waschmaschine pumpt nicht mehr ab, der Drucker druckt nicht mehr. Geräte, die vorzeitig ihren Dienst aufgeben, kennt jeder. Früher hieß es: Wer billig kauft, kauft teuer. Doch diese einfache Rechnung gilt nicht mehr. Herstellern wird vorgeworfen, ihre Produkte mit Absicht altern oder gar kaputtgehen zu lassen, indem sie Sollbruchstellen einbauen. Geplante Obsoleszenz ist der Begriff, der seit ein paar Jahren für Aufruhr sorgt.

Auch die Politik ist auf das Thema aufmerksam geworden. Für die Grünen hat Stefan Schridde von Murks-nein-danke zusammen mit dem Ökonomieprofessor Christian Kreiß ein Gutachten erstellt. Sie kommen zu dem Fazit, dass geplante Obsoleszenz die deutschen Verbraucher jährlich 100 Milliarden Euro kostet.Ist das Gerät dann kaputt, greifen die Hersteller zu einem weiteren Kniff: „Sie machen es dermaßen schwierig und teuer, defekte Elektrogeräte zu reparieren, dass viele Verbraucher sie einfach kurzerhand entsorgen“, schreibt Wiens in seinem Gastbeitrag. Unter Berufung auf das Urheberrecht halten Firmen wie Apple oder Toshiba Reparaturanleitungen unter Verschluss und zwingen Kunden auf diese Weise dazu, ihre Geräte bei teuren Service-Centern reparieren zu lassen. „Diese Politik läuft letztlich auf eine Strategie der geplanten Obsoleszenz hinaus“, kritisiert Kyle Wiens.

Während Autobauer durch Gesetze inzwischen dazu verpflichtet sind, Reparatur- und Wartungs­informationen auch freien Werkstät­ten zur Verfügung zu stellen, gibt es bei Elektrogeräten keine entsprechende Regelung. „Stattdessen existier ein ‚grauer‘ Informationsmarkt, über den Reparatur­informationen an die Öffentlichkeit gelangen – immer mit dem Risiko, wegen Urheberrechts­verletzung verklagt zu werden“, schreibt Wiens. Dabei drohen Strafen von bis zu 150 000 Dollar pro Dokument. „Es wird höchste Zeit, dass große Hersteller sich nicht länger hinter Gesetzen des Urheberrechts verschanzen und so freie Reparaturanbieter im Regen stehen lassen“, fordert Wiens. „Die Reparaturfähigkeit von Elektro­geräten ist ein entscheidender Beitrag zur Lösung der Elektroschrott-Krise.“



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